Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

By Elisa von Versgeflüster - Montag, Februar 05, 2018

Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete Buch ...
Was würdest du tun, wenn deine Mutter von dem Gedanken besessen ist, die Welt zu retten? Wenn sie die ganze Familie auf einen Roadtrip mitschleppt, um die Menschheit über das Bienensterben aufzuklären? 



Würdest du

1. deinen besten Freund fragen, ob du bei ihm einziehen kannst? 
2. mit auf die Tour kommen, unter der Bedingung, dass du kein Bienenkostüm tragen musst? 
3. das blöde Kostüm anziehen und hoffen, dass der klapprige Bus zusammenbricht? 
4. abhauen (wie deine große Schwester)? 
5. einfach aufhören zu sprechen (wie deine kleine Schwester)? 
6. endlich den Mund aufmachen und den Wahnsinn beenden? 


Wie plant man seine Zukunft, wenn die eigenen Eltern nicht glauben, dass die Welt eine hat? (Verlag)



Meine Gedanken

Hier habe ich ein Buch für euch, dass viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Viel zu wenig! Ich bin auch zur zufällig darüber gestolpert - in der Online-Bibliothek unserer Bücherei, weil ich unbedingt ein neues Buch brauchte - und möchte dir jetzt unbedingt erzählen, warum dieses Buch so toll ist. 

In einer Welt, in der wir im Überfluss leben, in der wir große Chipstüten kaufen, in denen viele kleine Chipstüten sind, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, wie unnötig und schlecht für die Umwelt das ist, in der wir uns nicht großartig darüber Gedanken machen, wie sehr wir unsere Erde zerstören, gibt es Menschen, die in die andere Richtung gehen. Die akribisch darauf achten, keinen Plastikmüll zu verursachen, die keine Tiere essen und ihr Gemüse selber anbauen. Wolfs Familie gehört dazu. Seine Eltern sind so etwas wie moderne Hippies. Seine Schwester Violet ist fünfzehn und hält von der ganzen Sache gar nichts und möchte einfach nur so viel Zeit wie möglich mit ihrem Freund Ty verbringen. Die Zwillinge Whisper und Saffron sind fünf Jahre alt und haben sich natürlich noch keine Meinung zu dem Thema gebildet, und Wolf  ist zwölf und er ist sich unsicher. Natürlich weiß er, dass es wichtig ist, das Sterben der Bienen aufzuhalten, aber er würde viel lieber in der Schule bleiben als mit seiner Familie in einem gelb und schwarz bemalten Ford einige Monate lang durch die Gegend zu fahren und als Biene verkleidet Flyer zu verteilen. Aber er hat ja schließlich keine andere Wahl, oder?

"Es macht nichts, wenn ihr ein paar Wochen [von der Schule] versäumt. Außerdem ist Reisen sehr lehrreich. Ihr werdet auf der Straße mehr lernen, als ihr in einem Klassenzimmer je könntet." 

Das ist eine der ersten Aussagen von Wolfs Mutter, die mich stutzig gemacht haben. Meine Mutter hätte mir niemals erlaubt, so lange nicht zur Schule zu gehen, und wenn ich welche hätte, würde ich meinen Kindern das auch niemals erlauben. Wir erfahren viel darüber, wie Wolfs Mutter drauf ist. Sie ist durch und durch Umweltaktivistin, hat sich schon immer für irgendwas eingesetzt. Es ist schade zu sehen, wie diese besorgte Mutter alles dafür tut, dass ihre Kinder eine Zukunft haben und dabei vergisst, dass diese im Hier und Jetzt leben und sie brauchen.

"Es war, als befände sich eine dicke Glaswand zwischen uns, und alles, was ich sagte, prallte einfach daran ab. Sie hörte mich nicht einmal."

Man erlebt sehr schön Wolfs Entwicklung mit jeder Seite, die man umblättert. Erst lässt er sich immer wieder von seiner Mutter überreden, etwas zu tun, dass er eigentlich gar nicht will. Andere Ansichten als ihre kennt er kaum, er geht schließlich gut behütet unter Menschen aufgewachsen, die die Ansichten seiner Mutter teilen. Doch durch die Reise lernt er Menschen kennen, die das mit dem Welt retten nicht ganz so eng sehen. So wird in dieser Geschichte wird sehr schön dargestellt, wie Kinder von den Eltern loslassen und ihre Ansichten hinterfragen, ihre eigene Meinung bilden und Verantwortung übernehmen.

Obwohl die Thematik doch recht ernst ist, stellt der Autor sie zeitweise unfassbar witzig dar. Die Ereignisse wirken immer wieder auf eine lustige Art und Weise überzogen dargestellt, gleichzeitig schafft Robin Stevenson es, immer wieder den Bogen zurück zur Ernsthaftigkeit zu schlagen. Er stellt die Dinge differenziert dar ohne zu bewerten, sodass der Leser die Chance hat, sich seine eigene Meinung zu den Vorkommnissen zu bilden.
Toll finde ich auch, dass man mit interessanten Informationen rund um das Bienensterben versorgt wird und auch irgendwie Lust bekommt, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Kurz gesagt

Ein interessanter, lustiger und spannender Roman rund um eine irrwitzige Reise und die Mission, die Welt in Bienenkostümen zu retten. Dabei kann man als Leser sehr schön die Entwicklung von Wolf verfolgen und wie wichtig es ist, dass Kinder lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Nebenbei verdeutlicht der Autor dabei die Bedeutsamkeit der Bienen für unser Ökosystem (Man kann also richtig was lernen :D).

♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Details

16,99€ | Rowohlt Verlag | 256 Seiten, Hardcover | Leseprobe | Kaufen



Und am Schluss nochmal, falls es euch interessiert, hier sind ein paar Links im Zusammenhang mit dem Bienensterben, vielleicht motiveren euch die ja, auch mal ein Bienenkostüm anzuziehen und in einem Selbstbemalten Ford durch die Gegend zu reisen, um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken...




→ Und noch ein Video für Faule, die keine Lust aufs Lesen haben: 




1 Kommentar:

  1. Heyho,
    sehr schöne Rezension, da kann ich sogar noch was lernen, danke

    tschau tschau von Alex

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