Barbara Zoschke: Wovon man alles nicht stirbt

By Elisa von Versgeflüster - Sonntag, März 25, 2018

Kim ist überglücklich, als Lesya in ihre Klasse kommt. Endlich ist da jemand, der wie sie nirgendwo zu passen scheint – wie zwei Puzzlestücke, die im falschen Karton gelandet sind. Lesya malt riesige Wandgemälde und ahnt immer, wie Kim sich fühlt. Niemand darf also erfahren, dass Lesyas Tante kaum zu Hause ist und ihre Eltern in der Ukraine im Gefängnis sitzen – vor allem nicht der alte Herr Klose, der Lesya bei den Behörden verpfeifen will. Mit einer Beschwörungsformel wünschen die Mädchen ihrem Nachbarn den Tod an den Hals. Doch dann stirbt der alte Mann tatsächlich und Kim wird es immer mulmiger: Warum benimmt Lesya sich so seltsam? Und wie viele Geheimnisse kann selbst die beste Freundschaft der Welt aushalten? (Verlag)

Meine Gedanken

"Wovon man alles nicht stirbt" wurde mir freundlicherweise von bloggdeinbuch zur als Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil ich als Kind die "Ponyfee"-Reihe von Barbara Zoschke geliebt habe und war deshalb sehr gespannt auf ihr neustes Kinderbuch.

Das Buch handelt von der 12-Jährigen Kim und ihrer besten Freundin Lesya, die aus der Ukraine stammt und nach Deutschland gekommen ist, weil ihre Eltern dort im Gefängnis sitzen. Sie sind Journalisten und wurden verhaftet, weil sie ihre Meinung über den Krieg in der Ukraine gesagt haben. Lesya hat ein Visum für Deutschland bekommen und wohnt bei ihrer Tante, die allerdings den ganzen Tag arbeiten muss und nie da ist. Herr Klose von nebenan möchte daher das Jugendamt verständigen, er befürchtet, Lesya würde vernachlässigt werden. Aus Angst, dass Lesya wieder zurück in die Ukraine muss, benutzen die Mädchen eine geheime Beschwörungsformel, um den Tod des alten Mannes zu beschleunigen. Und es funktioniert: Herr Klose stirbt tatsächlich und Kim entdeckt daraufhin nach und nach, dass Lesya nicht die ist, die sie vorgibt zu sein.

Bemerkenswert an diesem Buch finde ich die unglaublich schöne Gestaltung des Covers und der Seiten. Überall in dem Buch sind Listen abgedruckt, die Kim schreibt, um Ordnung in ihr Leben zu bringen. Diese Listen lassen immer wieder erahnen, dass etwas passieren wird zwischen Lesya und Kim, weshalb ihre Freundschaft nicht mehr dieselbe sein wird wie zu dem Zeitpunkt, an dem man sich im Buch gerade befindet.

Das Buch beschäftigt sich mit sehr vielen Themen gleichzeitig: Asylsuchende in Deutschland, die ungesunde Beziehung zwischen Kims Mutter und ihrem Freund Ricco, Rassismus und die tiefe Freundschaft zwischen Kim und Lesya, die stark aufeinander fixiert sind. Für die beiden scheint nur ihre Freundschaft wichtig zu sein, aufgrund der schwierigen Umstände, in denen die beiden Mädchen leben. Diese Themen werden jungen Leser/-innen zugänglich gemacht und dabei wird gleichzeitig noch eine spannende und emotionale Geschichte erzählt.

Kim ist ein sehr liebenswerter, aber aufgrund ihrer familiären Situation auch mitleiderregender Charakter. Sie wirkt naiv, was für ein Kind dieses Alters aber wohl normal ist, und lässt sich stark von Lesya beeinflussen. Auch ist sie wohl etwas seltsam, denn sie bildet sich ein, ihr Huhn könnte mit ihr sprechen und sie führt akribisch Listen über alle möglichen Sachen. Im Laufe des Buches wird sie allerdings reifer und entwickelt sich
Ueber Lesya erfährt man erst im Laufe des Buches mehr und deshalb möchte ich hier nicht zu viel über sie verraten.

Da Buch ist in der Ich-Form aus der Sicht von Kim geschrieben und das ist die Schwierigkeit, die ich mit dem Buch hatte. Es wird versucht, den Sprachgebrauch und die Denkweise von Kim zu benutzen, was zwar authentisch wirkt, aber den Lesefluss stört, sodass sich das Buch nicht wirklich flüssig lesen lässt. Auch ist es verwirrend, dass man erst während des Lesens einige wichtige Dinge erfährt, die in anderen Buechern eher in der Einleitung gesagt werden, was dem Leser ständig das Gefühl gibt, etwas überlesen zu haben.

Kurz gesagt

Die Thematik dieses Buches halte ich für sehr wichtig, besonders für jüngeren Lesern. Es bringt schwierige Themen wie Asyl, Rassismus und ungesunde Beziehungen auf eine kindgerechte und trotzdem realitätsnahe und schonungslose Art und Weise näher. Aber der Schreibstil gefällt mir nicht, was dem Lesefluss stört und das Buch unangenehm in die Länge zieht. Schade. Ich gebe 3 von 5 Punkten.

♥ ♥ ♥

Details

12,99€ | Coppenrath Verlag | 224 Seiten, Klappenbroschur | Interessiert? | Kaufen?

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