Claudia Winter: Die Wolkenfischerin

By Elisa von Versgeflüster - Samstag, März 03, 2018

Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec ...

Hinten im Buch findet man bretonische Rezepte, die in der Geschichte erwähnt werden.

Meine Gedanken

Ja, dieses Buch sieht aus wie der typische Frauenroman für Mütter ab Mitte dreißig, mit dem kitschigen Cover, der einen Ort irgendwo in der Betagne. Und ja, er ist auch genau das. Und ich hab ihn unglaublich gerne gelesen!

Das wohl wichtigste Aushängeschild dieses Romans ist seine Protagonistin Claire Durant. Sie ist charmant, humorvoll und liebenswürdig, außerdem hört sie die ganze Zeit die Stimme ihrer Tante in ihrem Kopf, was vermutlich nicht auf eine psychische Störung hindeuten soll, es manchmal allerdings so wirkt. Claire ist Journalistin bei einer kleinen Gourmetzeitschrift in Berlin. Was dort niemand weiß, ist, dass sie weder eine echte Pariserin ist, noch wirklich Kunst studiert hat, dass ihre ganzen Zeugnisse von bekannten Kunstausstellungen gefälscht sind, dass sie nichtin einem angesagten Berliner Viertel wohnt, sondern in einer kleinen, schäbigen Wohnung in Kreuzberg, und dass sie nicht einmal ihr Name echt ist. Claire hat seit 20 Jahren keinen richtigen Kontakt mehr zu ihrer Mutter und ihrer gehörlosen Schwester. Doch als ihre Mutter im Krankenhaus liegt, macht Claire sich auf den Weg in das kleine Dörfchen Moguériec, um sich um ihre Schwester zu kümmern. Dort stellt sie allerdings fest, dass ihr bester Freund Nicolas mittlerweile ziemlich gut aussieht, und als dann auch noch ihr Chef Urlaub in Moguéric macht, ist das Durcheinander perfekt. 

Zugegeben, diese Handlung ist ziemlich vorhersehbar. Viele sogennante "Plot Twists" lassen sich erahnen, so ist eigentlich nichts in diesem Buch eine wirkliche Überraschung. Das beeinflusst den Lesespaß allerdings überhaupt nicht negativ, eher spornt es dazu ein, weiterzulesen, um herauszufinden, ob man mit seiner Vermutung denn auch Recht hatte. Dazu kommt noch, dass sich der Schreibstil der Autorin unfassbar flüssig lesen lässt, sodass die Seiten sich praktisch von selbst umblättern und man Ruckzuck am Epilog angelangt ist. 

Das Cover lässt schon erahnen, wie kitschig dieses Buch ist. Und kitschig meine ich hierbei garnicht negativ. Leichte Lektüre für zwischendurch, in der alle Probleme sich irgendwie lösen lassen und sich am Ende alles zum Guten wendet, ist doch immer wieder aufs neue etwas schönes, oder nicht? An dieser Stelle muss ich allerdings anmerken, dass einige der Probleme sich ein wenig zu einfach lösen lassen, hier und da Charaktere unrealistisch handeln und Ereignisse überzogen sind. 

Kurz gesagt

Ein charmanter Roman mit einer tollen Protagonistin, aber einem für meinen Geschmack etwas zu leicht erreichtem Happy End, inklusive leicht überzogener Handlung. Trotzdem ist er genau das, was man sich von einer leichten Lektüre wünscht: Überzogen, humorvoll, vorhersehbar, was dazu führt, dass man viel zu schnell am Ende angelangt. Ich gebe 4 von 5 Punkten.

♥ ♥ ♥ ♥

Details

9,99€ | Goldmann Verlag | 400 Seiten, Klappenbroschur | Neugierig?


Danke an das Bloggerportal für das Leseexemplar!

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