Ein holpriger Start

By Elisa von Versgeflüster - Donnerstag, März 08, 2018


Hallo ihr Lieben,

wie ihr vielleicht mitbekommen habt, mache ich zurzeit ein Auslandspraktikum in Irland. Das ganze läuft über das Förderprogramm "Erasmus+" der EU und wird vor Ort von einer Agentur organisiert. Meine Schule bietet dieses Praktikum jedes Jahr für die Schüler an, die gleichzeitig mit ihrem Abitur die Zusatzqualifikation Fremdsprachenkorrespondent/-in erhalten, ich bin daher mit neun Mitschülern hier. 

Sonntag ging es los, mit dem Auto zum Flughafen nach Amsterdam, von dort aus weiter mit einer irischen Fluggesellschaft. Der Flug verlief einigermaßen ruhig, bis auf einige leichtige Turbulenzen, und dauerte nur etwa eineinhalb Stunden. Wir landeten sicher in Cork, der zweitgrößten Stadt Irlands, in der rund 126.000 Menschen leben. Zum Vergleich: Deutschlands zweitgrößte Stadt ist Hamburg, und dort leben etwa 14 Mal so viele. 

Angekommen in der Wohnung erlebte ich erst einmal einen Schock.
Die Wohnung war sehr klein, mit engen Fluren und noch engeren Treppen. Der Boden knarrte bei jedem Schritt. Meine Mitbewohnerin aus Italien hatte den ganzen Schrank für sich eingenommen und ihre Sachen lagen überall herum. Im Zimmer war es auch sehr kalt, da die Heizung am Tag davor ausgefallen war. Die Tür zum Badezimmer knarrte unglaublich laut, sodass bestimmt das ganze Haus aufwachte, wenn des nachts mal jemand das stille Örtchen benutzen musste. Außerdem funktionierte das Licht dort nicht und alles war voller Haare, Staub und Kosmetik von irgendwem. Die Küche war auch die reinste Katastrophe, alles dreckig, schmutzige Teller und Tassen überall. Das Schlimmste war allerdings, dass meine Mitbewohner in der Küche rauchten. Nicht einmal das Fenster machten sie dafür auf. Als dann einer der Jugendlichen ein mysteriöses Röhrchen aus seiner Tasche holte und den Inhalt auf der Zigarette zerbröselte, die er gerade drehte, flüchtete ich schleunigst in mein Zimmer.

Ich beschloss also, mich zu beschweren. Von der Kontaktperson bei der Agentur, die meinen Arbeitsplatz organisierte, erfuhr ich, dass in Irland besonders in den Großstädten eine Wohnraumknappheit herrscht und es daher schwierig werden würde, eine neue Unterkunft für mich zu organisieren. Ich brauchte also einen richtig guten Grund, und den hatte ich auch: Illegale Drogen. Also suchte ich die Organisation auf, die die Wohnung verwaltete, und erzählte, was ich gesehen hatte. Man versprach mir, auf jeden Fall mit den Leuten da zu reden, und dass auf das Rauchen im Gebäude eine Strafe von 50€ pro Person erhoben wird. Leider stellte mir der nette junge Mitarbeiter  mit dem äußerst interessanten Akzent einen Umzug nicht in Aussicht. Etwas entmutigt ging ich zurück in die Wohnung.

Es dauerte keine zwei Stunden, bis es an meine Zimmertür klopfte und ein Mitarbeiter der Organisation zusammen mit einem Mädchen hereinkam. Der Mitarbeiter wohnte auch dort in der Wohnung und war eigentlich verantwortlich dafür, dass dort alles mit rechten Dingen zuging. Diesem hier allerdings kam es sehr bequem, dass die Leute in seinem Haus gerne in der Küche rauchten, daher sagte er nichts dagegen. Dass ich mich bei der Organisation beschwert hatte, warf natürlich ein sehr schlechtes Licht auf ihn, wahrscheinlich hatte er Angst, gefeuert zu werden. 
"Hast du weitergesagt, dass wir rauchen?", fragte er mich und ich bejahte das, denn es abzustreiten hatte mich wohl nicht weiterbracht. "Warum hast du das getan?", wollte er wissen, und dann verlangte er etwas, was bei mir das Fass zum Überlaufen brachte: Er wollte doch ersthaft, dass ich meiner Kontaktperson bei der Organisation erzählte, ich hätte mich vertan! Wie bescheuert, das hätte mir da sowieso keiner geglaubt. 
"Natürlich", sagte ich also, um weiteren Diskussionen zu entgehen. "Ich werde sehen, was ich tun kann.", und schrieb gleich darauf eine Email, in der ich von meinem Gespräch mit dem Mitarbeiter berichtete und bat,  mich woanders unterzubringen.

Einer der schönsten Buchläden überhaupt, direkt in der Innenstadt

Zum Glück wurde alles sehr schnell in die Wege geleitet und ich durfte in ein Apartment nur einige hundert Meter weiter ziehen. Hier ist es viel besser. Niemand hört nachts laut Musik, die Küche ist sauber, meine Zimmergenossin aus Belgien ist total nett und wir teilen uns zu zweit ein Badezimmer. Mit uns zusammen wohnen noch ein junger Mann aus Frankreich und einer aus Italien, die beide ganz nett zu sein scheinen. Einer von ihnen raucht, und zwar im Wohnzimmer, aus dem Fenster, und soweit ich das beurteilen kann, auch kein Gras. Damit habe ich kein Problem. 
Ich bin unendlich froh, dass ich nicht einfach nur meinen Ärger heruntergeschluckt, sondern mich beschwert habe. Ich bin nur einen Monat hier und die Zeit möchte ich genießen und mich nicht über meine Wohnung ärgern müssen.

Ansonsten ist es hier wirklich sehr schön, die Innenstadt ist voller alter Gebäude, die einen tollen Charme ausströmen. Am Mittwoch war ich mit einer Freundin in einem tollen Restaurant essen, es gab Pasta mit Spinat und Feta, die unglaublich lecker war. Mein Praktikumsplatz bein einer Heizungsfirma ist recht langweilig, aber ich nutze die Zeit, in der ich nichts zu tun habe, zum Lesen.  
Zum Fotos machen bin ich leider noch nicht wirklich gekommen, da das Wetter eher trüb ist, ich warte lieber auf Sonnenschein. Deswegen gibt es hier erstmal nur zwei Bilder. 
Am Wochenende werde ich mir auf jeden Fall das College und die Bibliothek ansehen, danach das Wochenende ist St. Patrick's Day, und die Woche drauf mache ich eine Tour zu den Cliffs of Moher mit, auf die ich mich schon total freue. 

Nach einem ziemlich unschönen und holprigen Anfang hoffe ich, dass die restliche Zeit dafür umso schöner wird. 
Hoffentlich habt ihr auch eine tolle Zeit oder wenigstens ein gutes Buch, um sie ein wenig zu versüßen. Habt einen schönen Tag!

Eure Elisa

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Elisa!
    Zuerst einmal muss ich zugeben, dass ich dich wegen dieser unglaublich tollen Möglichkeit eines Praktikums in Irland sehr beneide. Für mich geht es im September nach Dublin und ich freue mich schon jetzt darauf. Du hattest wirklich einen eher unschönen Start, das lässt sich nicht abstreiten, aber lass dich davon nicht unterkriegen. Es ist, wie du bereits oben gesagt hast. Nutze die Zeit, die du dort bekommst und genau das wünsche ich dir auch für die restliche Zeit. Lass den Kopf nicht hängen und genieße es, neue Erfahrungen in einem neuen Land zu sammeln!

    Liebe Grüße ♥
    Emmi

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