Irland ist anders, als ich erwartet hatte

By Elisa von Versgeflüster - Mittwoch, März 21, 2018

Hallo ihr lieben Buchverrückten, 

ich wollte euch ein kleines Update geben, wie es mir in Irland nach nun fast zwei Wochen so geht. 
Eigentlich vegetiere ich nur so vor mich hin, verbringe viel Zeit im Büro und habe erst spät frei, was das Sightseeing ein wenig kompliziert macht. Meine Zeit hier ist anders, als ich es erwartet hatte.
Mein Praktikum ist der Inbegriff von Langeweile. Ich habe nichts zu tun, wirklich gar nichts! Aber das stört mich nicht besonders, ich nutze die Zeit gut, zum Beispiel für diesen Blogpost und für meine Recherchen über das Leben im Mittelalter. Ich hatte nämlich vor ein paar Tagen ganz plötzlich und aus dem Nichts heraus eine ziemlich gute Buchidee und ich habe mir ganz fest vorgenommen, sie dieses Mal auch umzusetzen. Ich bin also fleißig am recherchieren, planen und schreiben, und das sehr enthusiastisch.  Allerdings ist die Tastatur an meinem Arbeitsplatz natürlich englisch, das heißt es gibt keine Umlaute und z und y sind vertauscht. Gewöhnungsbedürftig.
Die Atmosphere ist generell sehr entspannt,  Kundengespräche dauern immer ewig, und es wird über alles mögliche gequatscht und es werden witzige Anekdoten ausgetauscht. Mir wurde mehrfach gesagt, dass ich gerne nach Hause gehen kann, wenn ich möchte, was ich mich allerdings nicht traue.

Das anstrengendste hier ist wohl der Irischer Akzent. Er ist unglaublich schwer zu verstehen, besonders, wenn die Person aus einem kleinen Dorf kommt. Und davon gibt es in Irland viele. Ich muss ständig noch einmal nachfragen und die wenigen Telefongespräche, die ich hier im Büro führe, sind die Hölle. Aber der Irische Akzent hört sich ziemlich cool an. Man muss sich wahrscheinlich einfach daran gewöhnen, und das schafft man nicht in ein paar Wochen. Da die Iren sehr kommunikativ sind und gerne auch fremde im Bus anquatschen, bleibt einem manchmal gar nichts anderes übrig als zu nicken und zu lächeln, damit man sich nicht zu doof dabei vorkommt, ständig um ein Wiederholen des Satzes zu bitten.

Das University College Cork ist wunderschön und unglaublich groß, ein bisschen erinnert es mich an Hogwarts.
Eine andere Sache ist der Linksverkehr. Ich gewöhne mich einfach nicht daran und es ist ein Wunder, dass ich noch nicht überfahren wurde. Fußgänger strafen mich ständig mit bösen Blicken, weil ich nach Rechts ausweichen will, und sie in die gleiche Richtung. Generell habe ich das Gefühl, dass die Fußgänger sich selbst nicht ganz sicher sind, ob sie jetzt auf der rechten oder linken Straßenseite laufen sollen, weshalb es immer ewig dauert, sich durch die Fußgängerzonen zu schlagen.

Apropos Fußgängerzonen, die Läden schließen hier in Cork bereits um 18:00 Uhr, dabei ist das hier eine Großstadt, jedenfalls für irische Verhältnisse (240.000 Einwohner...). Wenn man dann nach der Arbeit erst gegen 17:00 wieder an der Wohnung ist, wird aus einem abendlichen Stadtbummel nichts mehr. Die Supermärkte haben zum Glück alle bis 22:00 Uhr geöffnet. Deutsche Supermarktketten sind hier übrigens sehr beliebt, wie Lidl, das hier wie "little" ausgesprochen wird, und Aldi. Weil es dort verhältnismäßig sehr günstig ist. Alkohol und Süßigkeiten sind trotzdem teuer.

Kochen ist nicht so schön bei mir in der Wohnung, weil ständig jemand anderes die Küche belegt und die Beschichtung der Töpfe und Pfannen teilweise abblättert. Daher gehe ich sehr oft essen, es gibt tolle Burgerläden bei mir in der Nähe. Und in den Restaurants gibt es kostenloses Wasser. Aber da das auf Dauer etwas teuer wird, habe ich mir vorgenommen, die verbliebenen Tage doch mal die Küche zu benutzen. Gestern zum Beispiel habe ich Spaghetti mit Spinat, Tomaten und Schafskäse gekocht, was wirklich sehr lecker war. Heute Abend werde ich mir einen Tomate-Mozzarella-Salat machen. 

Links ist der River Lee zu sehen, der beidseitig am Zentrum von Cork vorbeifließt, wie um eine kleine Insel.
Am 17. März war Saint Patrick's Day, oder Patty's Day, wie es hier umgangssprachlich genannt wird. Was genau dieser Tag eigentlich feiert, ist eigentlich ganz interessant. Der heilige Patrick von Irland hieß eigentlich Patricius und lebte im fünften Jahrhundert. Er war ein christlicher Missionar, über den es nicht viele handfeste Fakten gibt, aber um den sich unzählige Legenden ranken. Er soll viele Klöster, Kirchen und Schulen gegründet und tausende Iren zum christlichen Glauben bekehrt haben. 
Ihm zuehren gibt es jedes Jahr eine Parade, so ähnlich wie Karneval bei uns, nur ohne die großen Wagen und die Süßigkeiten. Eigentlich ist diese Parade auch nicht wirklich interessant, das, was den Tag eigentlich ausmacht, kommt danach. Dann zieht man nämlich durch die Pubs, (zumindest, wenn man 21 ist, denn sonst wird man nicht reingelassen, und die Türsteher nehmen das mit dem Kontrollieren wirklich sehr ernst), und betrinkt sich. An sich also wie Karneval in Deutschland, ein guter Vorwand, um Trinken zu gehen. Ich muss sagen, ich hatte mir mehr erhofft von DEM Feiertag überhaupt in Irland. 

Das Blackrock Castle, in dem es eine Sternwarte und ein Museum gibt. In den 50ern wurde es mal als Nachtclub verwendet, wie cool ist das denn?
Alles in allem ist meine Zeit in Irland anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es ist langweiliger, unspektakulärer. Ich habe zu wenig Zeit, um Dinge zu sehen, zum Beispiel wäre ich unglaublich gerne nach Dublin (da spielt schließlich Skulduggery Pleasant!) oder Kerry gefahren, aber das ist leider einfach nicht drin, da ich ja auch noch Sehenswürdigkeiten hier in Cork und Umgebung besuchen möchte. Dazu kommt noch, dass die Leute, mit denen ich hier bin, nicht wirklich an Sehenswürdigkeiten interessiert sind, sodass ich meinen Ausflug nach Blackrock Castle allein unternommen habe, und auch Cobh, einen wunderschönen Nachbarort, alleine besichtigen werde.
Es gibt ein kleines Kaff in Kerry namens Cahersiveen, in dem es so wenig Lichtverschmutzung gibt, dass man einen ungestörten Blick auf den Nachthimmel hat. Dort kommt man allerdings kaum hin, da man über 5 mal umsteigen müsste, und man kommt nachts schon gar nicht wieder weg. Es fehlt also definitiv ein Auto.
Die Gegend um Cork ist auch nicht so, wie man sich Irland vorstellt, ganz und gar nicht die "grüne Insel". In ein paar Jahren würde ich gerne noch einmal nach Irland fliegen und dann mit einem Mietwagen durch die Gegend fahren, um wirklich etwas vom Land zu sehen.

Nächste Woche Samstag wird der Heimflug angetreten, schon um 6:00 Uhr morgens, das heisst um 3:00 Uhr aufstehen, um rechtzeitig einzuchecken. Ich freue mich sehr auf Zuhause, auf mein eigenes Bett und auf den Alltag, denn ich habe festgestellt, ohne Alltag komme ich nicht zum Lesen. Ich brauche eine gewisse Regelmäßigkeit in einem gewohnten Umfeld, um ein Buch zur Hand zu nehmen, ansonsten lenken mich Dinge wie Netflix, Amazon Prime oder mein Handy zu sehr ab. Aktuell schaue ich übrigens Vikings, eine sehr blutige, aber auch sehr spannende Serie, die bestimmt etwas für Game of Thrones-Fans ist. 

Ich wünsche euch eine tolle Woche. Es dauert nicht mehr lang und dann ist schon Wochenende, also haltet durch! 

Eure Elisa

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich immer über Anmerkungen, Kritik oder ein paar liebe Worte!